Von den Freuden des elektronischen Lesens

E-Book-ReaderIrgendwann noch vor dem Jahre 2010 hatte ich mir einen ersten E-Book-Reader gekauft, damals von Sony. Meine Frau und ich waren immer sehr viel unterwegs. Ein Urlaub war oft eine Radtour und gleichzeitig haben wir beide gerne und viel gelesen. Da war ein E-Book-Reader ideal — dachte ich.

Denn zu dieser Zeit hatten elektronische Bücher der bekannten Verlage eigentlich immer einen Kopierschutz von Adobe. Man musste sich eine Adobe-ID besorgen, das ging damals mit einem Programm, was man erst auf dem Windows-PC installieren musste. Anschließend musste das Gerät auf diese ID angemeldet werden, dass man sozusagen berechtigt ist mit dem jeweiligen Gerät auch eigene Bücher zu betrachten. Ein riesen Getue, nur um ein bisschen was lesen zu können.

Dann kam der Kindle von Amazon

Und hier war alles leichter. Einmal gekauft, erschien das Buch sofort via WLAN (Wispernet) auf dem Gerät. Kein extra Kopieren von Dateien, kein Anstöpseln via USB, kein Anmelden bei Adobe. Und gleichzeitig konnte man auch mit jedem Handy und der Kindle-App auch die Bücher lesen, die man einmal gekauft hatte. Und nicht nur das: Wenn Bücher wegen eines Formatierungsfehlers oder anderer Überarbeitungen nochmals veröffentlicht wurden, bekam und bekommt man diese gleich automatisch in der neuen Version. Perfekt. Fast!

Big Brother ...

Andererseits ist dies ein relativ geschlossenes System. Ich kann zwar eigene Bücher, wenn sie im richtigen Format vorliegen, in die Cloud bei Amazon hochladen, aber die Bücher, die ich gekauft habe, liegen mir nicht als Dateien vor. Sie sind verschlüsselt im System von Amazon und Amazon kümmert sich um alles.

Aber: Amazon weiß auch alles. Amazon weiß, welche Themen mich interessieren, welche Bücher ich gekauft und gelesen habe und wo auf welcher Seite ich gerade bin und welche Anmerkungen ich gemacht habe. Amazon weiß sogar, welche Bücher mich in Zukunft interessieren könnten. Sicher sind diese Informationen auch bei anderen Anbietern von E-Books vorhanden, aber mein Gefühl ist, dass sie nirgends so zentralisiert und mit anderen Informationen von mir zusammengeführt und auswertbar sind, wie bei Amazon.

Wenn ich mir vorstelle, anhand wie weniger Informationen zur Zeit des Nationalsozialismus Menschen eliminiert worden sind, dann möchte ich nicht wissen, was heute alles möglich wäre. Bedrückend anhand der aktuellen Entwicklungen in vielen Ländern um uns herum, die sich mit rasendem Tempo von freien demokratischen und gewaltengeteilten Strukturen entfernen, hin zu "starken" nationalistischen Führern, die mit ihren zentralistischen Regimen alles vermeintlich Falsche richten sollen. Und die Menschen oft gleich mit.

Der Umstieg

Daher bin ich irgendwann wieder umgestiegen auf freie E-Book-Reader, in meinem Fall auf den Tolino. Ich möchte mich nicht so auswerten und bestimmen lassen, schon gar nicht von Großkonzernen eines anderen Landes. Da sind mir die vielen deutschen Buchhändler irgendwie sympatischer, auch, wenn auch hier natürlich viel über mich zu erfahren wäre. Der Kauf im Web ist immer auswertbar, egal ob E-Book oder normales Buch.

Der Tolino kann Bücher in verschiedenen Formaten anzeigen, sogar im PDF-Format, und kann mit verschiedenen deutschen Bücherhäusern verknüpft werden. Man kann unmittelbar am Gerät, sogar im Urlaub, neue Bücher kaufen oder leihen. Die deutschen Büchereien sind nämlich über die Onleihe auch gleich mit angebunden, Leihen geht also auch.

Im Prinzip ein offenes System. Gleichzeitig ist das System dahinter samt Cloud inzwischen so ausgereift, dass es quasi die gleichen Features mitbringt, wie der Kindle von Amazon. Aber eben noch etwas mehr:

Wasserzeichen statt DRM

Heute werden ganz viele Bücher mit einem Wassserzeichen ausgeliefert. Das heißt, man muss nicht mehr Bücher mit einer eigenen ID verknüpfen, man ist nicht mehr abhängig von der Existenz eines Adobe Digital Rights Management, welches schlussendlich entscheidet, was ich darf oder nicht.

Ich muss auch nicht zwangsweise alle meine Bücher, wie beim Kindle,  in der Cloud von Amazon haben. Und das heißt, dass ich meine Bücher lesen kann mit allem, was elektronische Bücher im Epub-Format anzeigen kann. Das mag jede freie Handy-App sein, sogar Web-Applikationen gibt es, welche das Buch gleich in meiner Nextcloud im Webbrowser anzeigen und so weiter. Alles offen, solange kein DRM verwendet wird.

Bücherschrank ade

Da ich immer schon viel gelesen habe, hatte ich ein großes Bücherregal. Aber immer, wenn ich unterwegs war und an ein bestimmtes Buch gedacht habe, hatte ich es nicht dabei. Mal davon ab, dass Bücher bei Umzügen mit am schwersten sind und mit der Zeit sowohl vergilben, wie auch aus dem Leim gehen, gibt es da noch etwas: Ich selbst habe eine Hausstaubmilbenallergie. Ältere Bücher brauche ich nur aufzuschlagen und schon juckt es in der Nase. Für mich nicht mehr lesbar, obwohl ich gerade gerne auch ältere Bücher lesen würde.

Ich kaufe jetzt neue Bücher nur noch elektronisch. Und zwar bis auf ganz wichtige Ausnahmen nur ohne Verschlüsselung. Das heißt, wenn es das gibt, ganz ohne Schutz oder eben mit Wasserzeichen. Diese Bücher kann ich mein Leben lang lesen und sie sehen immer noch aus, wie am ersten Tag. Ich kann die Schriftgröße verändern, wenn meine Augen schlecht werden und ich kann mir in Verbindung mit dem Reader Anmerkungen darin machen, die ich auch schnell wieder finden kann, da sie in einer Übersicht angezeigt werden.

E-Book-Reader von 2010 im Vergleich zu heute 2017Mein erster oben erwähnter E-Book-Reader ist leider einem Fahrradunfall zum Opfer gefallen. Aber mein zweiter, ein OYO, den kann ich sogar heute, nach sieben Jahren, noch benutzen. Es sind langlebige Geräte, da die Akkus nicht wie beim Handy jeden Tag geladen werden müssen, weswegen sie auch sehr lange halten. So lange, dass man vermutlich irgendwann aus anderen Gründen das Gerät wechselt.

In meinem Fall jetzt, weil die modernen Geräte doch im Vergleich zu denen von vor 7-8 Jahren einen wesentlich besseren Kontrast haben, wie oben im Bild zu sehen. Das merkt man vor allem Abends, wenn das Licht nicht mehr so gut ist. Das elektronische Papier ist zwar noch nicht so weiß, wie ein echtes Stück Papier, aber im Vergleich zu früher ist der Hintergrund inzwischen sehr hell. Einige Reader haben sogar eine Hintergrundbeleuchtung.

Fazit

Ich bin immer mehr begeistert; diese Art zu lesen hat sich sowohl technisch, wie auch von der immer größeren Freiheit von lästigen und kompliziert anzuwendenden Kopierschutzverfahren wesentlich verbessert und ich spare mir eine ganze Schrankwand voller Bücher.

Ich lese bei voller Sonne im Garten, ich lese im Urlaub, am Strand, auf Wander- und Radtouren, der E-Book-Reader hat wirklich überall Platz. Wie sehr habe ich mich früher über Bücher in ewig kleiner Schrift geärgert. Heute stelle ich es mir einfach so ein, wie es mir gefällt.

Früher habe ich Bücher mit Kaffee ertränkt, mein E-Book-Reader ist heute sogar wasserdicht. Und wenn er tatsächlich nach Jahren einmal kaputt gehen sollte, dann ist das sehr traurig, aber meine Bücher sind nicht kaputt und verloren.

Jeder Blogger oder sonstige Autor kann heute eigene elektronische Bücher schreiben und selbst herausgeben und es braucht nicht mal mehr einen Verlag. Bäume fällen, Papierherstellung und das Drucken sind nicht mehr nötig. Was für eine schöne Entwicklung...

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