Zu sich selbst kommen durch Meditation

Ruhe finden in sich selbst durch MeditationIn einer Zeit, wo mein Leben ziemlich durcheinander ging, habe ich angefangen, mich für Meditation zu interessieren. Damals ging es mit meiner Ehe gerade bergab und gleichzeitig habe ich beruflich den Einstieg in eine Management-Laufbahn begonnen. Beides war schwierig, fordernd, es ging hoch und runter.

Ich habe für mich in dieser Zeit nach etwas Konstantem gesucht, wie eine Art festen Boden, etwas, was mir Kraft gibt. Dabei ging es mir nicht um das Finden einer Religion oder irgendeines verstaubten Systems, sondern ich wollte eigentlich mehr zu mir selbst, wollte die Kraft aus mir selbst heraus spüren, wollte eigentlich selber wieder mehr Kraft bekommen und überhaupt mich wieder spüren.

Kopfkino

Bei mir geht, ganz unminimalistisch, sehr viel im Kopf ab. Ich bin an ganz vielem interessiert, experimentiere gerne und erfahre Neues und probiere Dinge gerne aus. Ich habe wohl ein unglaublich reiches Leben, aber gleichzeitig besteht auch die Gefahr, dass ich mich verzettel. Irgendwann weiß man ja, wie man tickt. Und da kam eine große Sehnsucht in mir auf nach etwas, was fest und konstant in meinem Leben ist, nicht nur ein neues kurzfristiges Interesse. Inzwischen sind das eine ganze Menge Dinge. Aber vor allem ist es die Meditation.

Die Meditation führt mich zu meinem Kern. Alle diese rumfliegenden Gedanken sind weg, ich spüre mich selbst, meinen Körper, meine Emotionen und gleichzeitig fliegen sie vorbei, während ich bei mir selbst bleibe. Eine sehr schöne Erfahrung.

Meditation im Osten und im Westen

Als ich anfing mich damit zu beschäftigen, las ich unglaublich viel. Vor allem aus dem asiatischen Raum oder von Menschen, die dort waren und dann nach Europa gekommen sind und Techniken von dort mitgebracht hatten. Ganz besonders habe ich die Vorträge von Ayya Khema gehört, sie hat alles um Buddhismus und Meditation und auch die verschiedenen Vertiefungszustände so wunderschön vermittelt, ich glaube, ich habe wochenlang nichts anderes gehört.

Aber nach einigen Kommentaren von Ihr und weiterer Recherche sah ich, dass die Meditation auch in Europa eine reiche Tradition hat, hier dann natürlich christlich geprägt. Ich las Teresa von Ávila, Johannes vom Kreuz und ich fand interessanterweise, dass die dort geschilderten Erlebnisse während der Meditation wirklich wörtlich dem entsprachen, was ich auch bei Ayya Khema gehört hatte. Das hat mir gesagt, dass es hier um etwas ganz Grundlegendes geht, was mit Religion, also Vorstellung von Göttern oder Heilslehren, nicht zwangsweise zu tun hat, sondern ich hier in meinem Inneren zu etwas Wesentlichem komme.

Warum interessierst Du Dich für Meditation?

Warum liest Du diesen Artikel? Wenn Du Dich für Meditation interessierst, dann kommt das ja von irgendwoher. Du trägst vermutlich irgendeine Hoffnung oder ein Verlangen oder eine Idee in Dir, dass Meditation Dir bei etwas in Deinem Leben hilfreich sein könnte. Also überleg doch mal, was das ist. Es gibt nämlich drei Dinge, die oft damit verbunden werden:

  1. Ein Weg zur Entspannung
  2. Der Weg zu sich selbst
  3. Der Weg zum Göttlichen

Überlege mal, was Dich hier am ehesten anzieht. Ich möchte ganz klar sagen, dass alle drei Wege sich weder ausschließen, zum Teil vielleicht sich sogar etwas überschneiden. Später mehr dazu ...

Entspannung

Manchmal ist es so, dass man vor lauter Stress ganz den Kontakt zu sich selbst verliert. Im Kopf geht es nur noch rund und man merkt, dass man irgendwie erstmal "runterkommen" muss. In so einem Fall ist es vielleicht am besten, Du lernst Dich zu entspannen. Hier ist mir aus eigener Erfahrung das Autogene Training als effektivste Methode bekannt.

Ich war eine ganze Zeit lang in einer Gruppe und konnte hier lernen, sehr gut zu entspannen. Es läuft in der Regel so: Die Gruppenleiterin, zu der man einen Vertrauensvorschuss mitbringen sollte, spricht, und man versucht sich zu versenken. Dies ist ein bisschen wie eine Hypnose, man lässt los und spürt, wie die Dinge im Körper geschehen, die man sich vorstellt. Das sind "Formeln" wie, dass die Arme oder Beine leicht warm und schwer werden oder der Atem sich beruhigt.

Später, wenn man den Willen dazu hat, kann man sich diese Dinge selbst vorsprechen (oder denken) und spürt, wie es geschieht - eine Autosuggestion. Man kann sich natürlich auch eine Aufnahme anhören. Das kann jeder und jeder hat dort Erfolg, aber es kann unterschiedlich lange dauern, bis man loslassen kann — das Loslassen, nicht das Erlernen ist wohl die Übung, denke ich. Nach einiger Zeit und einigem Training geht es dann ziemlich adhoc und man benötigt nicht mehr viel Zeit, um sich konkret zu entspannen. Das heißt natürlich nicht, dass man es in Eile machen sollte. Wohl kann man es aber schon jederzeit zwischendurch machen.

Für Menschen, die eher körperlich orientiert sind, gibt es ggf. noch die progressive Muskelentspannung nach Jakobsen. Das habe ich selbst noch nicht gemacht, ich kann dazu also nichts sagen (und versuche es deswegen auch nicht), ich weiß allerdings, dass es viele Menschen gibt, denen dies auch sehr gut hilft, sich zu entspannen.

Der Weg zu sich selbst

Oft lebt man so dahin und hat irgendwann (vor allem in der Midlife-Crisis!!!) das Gefühl, das ist es alles nicht, ich lebe nicht "mein" Leben, ich bin irgendwie im falschen Film. Du merkst plötzlich, dass die Dinge von denen Du dachtest, sie wären Dir wichtig und zentral in Deinem Leben, das gar nicht sind. Du hast plötzlich das Gefühl, Du müsstest etwas verändern. Oft weiß man dann aber gar nicht, was es ist oder was man denn will, wenn man alte Dinge nicht mehr will.

Der Weg zu sich selbst innerhalb der Meditation hingegen ist nicht zu verwechseln mit "Selbstverwirklichung", jedenfalls nicht in dem Sinne, dass man etwas erreichen möchte, etwas durchsetzen möchte, sich womöglich sogar über politische oder gesellschaftliche Inhalte von seinem Partner oder dem gesellschaftlichen Umfeld distanzieren möchte. Dies können auch Ziele sein, die aber nichts mit dem "Weg zu sich selbst", den ich hier meine zu tun haben.

Es gibt verschiedenste Techniken der Meditation, allerdings sind die bekanntesten oder verbreitetsten die Ruhemeditation, die Achtsamkeitsmeditation bzw. die Konzentration.

Man könnte eigentlich sagen, dass bei allen dreien es auch, aber nicht nur, um das Loslassen geht, nur mit verschiedenen Mitteln. Dabei passiert folgendes: Durch Versenkung, also durch Loslassen dessen, was man immer meint zu wollen oder zu müssen, öffnet man sich vor sich selber — und das ist es auch schon. Versuch mal eine Minute an nichts zu denken - mach es ruhig mal, oder sagen wir 15 Sekunden. Du wirst merken, dass innerhalb schon kurzer Zeit der erste Gedanke hochkommt. Hier mal ein paar Beispiele:

Das ist genau sowas, was man denkt. Es sind Dinge, von denen man so vor der Meditation zumindest sagen würde, dass es irgendwie wohl nicht dass wichtigste ist — während der Meditation kommen solche Gedanken hoch und man wundert sich, an was man alles denkt — und wenn man Humor hat, nimmt man es mit dem selbigem und ist gütlich mit sich. Man kann sich auch drüber ärgern. ABER! Was einem nicht klar ist, ist, dass Dreiviertel dieser Dinge Tricks der Psyche sind. Die Psyche (oder ungriechisch Seele) ist es einfach nicht gewohnt nichts zu tun, nicht zu denken, das ist fremd.

Ungewissheit

Und fremd bedeutet Ungewisseheit und Ungewissheit bedeutet Gefahr. Also unternimmt die Psyche jetzt Tricks, um einen vom Nichtsdenken wegzukriegen. Ein total guter Trick ist z.B., dass etwas ja wichtiger sei, als gerade das Meditieren, z.B. was noch für den Partner oder die Kinder (oder sich ) zu tun wäre, etwas, was unbedingt noch fertig werden muss. Und schon hat man eine prima Ausrede vor sich selbst, warum fünf Minuten ja auch schon ein Anfang sind und die vorgenommenen 15 Minuten Meditation es heute mal nicht sein müssen. Oder man findet immer wieder etwas beim Sitzen, was einen stört. Man spürt hier einen Knochen oder da zwackt was. Mach mal die Augen zu und sitz einfach nur ein Weilchen. Was meinst Du, was Du da alles spürst, wenn Du drauf achtest.

Und es ist laaaaangweilig. Ohhhhh, nichts passiert. Oh, das dauert....

Man kann nicht abschalten und das zieht sich...

Der Versucher 👿

In verschiedenen Kulturen, wird dieses gesamte Phänomen oft vermenschlicht, es ist im Buddhismus Mara, der Versucher und im Christlichen ist es vielleicht etwas Teuflisches, was einen immer wieder vom rechten Weg abbringt. Immer ist es "das Böse", aber das Böse ist natürlich in uns. Und das Böse ist natürlich auch nicht böse im ethischen Sinne, sondern es ist eigentlich der Teil in uns, der uns immer wieder Angst macht und uns subtil immer wieder davon abhält, zu unserem Kern zu kommen, uns selbst zu erkennen und uns selbst so anzunehmen, wie wir sind. Und es ist natürlich einfacher, wenn man dafür dem Teufel, Mara oder wem auch immer die Schuld geben kann.

Am Anfang fällt man oft darauf rein. Du findest immer einen Grund mit dem Meditieren gar nicht erst anzufangen oder eher wieder aufzuhören, glaube mir, es gibt immer einen Grund. Aber warum wehrt sich die Seele so? Nun, wenn man den Dingen in die Augen schaut und sie wirklich sieht — und sie versteht, dann kann man sich nicht mehr mit selbst gebauten Illusionen in Sicherheit wiegen. Man sieht in sich und man sieht, wie man denkt. Wenn man länger meditiert und man merkt, wie Gedanken kommen, dann kann (und sollte) man diese nicht unterdrücken. Alles, was in der eigenen Psyche unterdrückt wird, kommt unheilsam an anderer Stelle wieder raus. Bei der Meditation sogar ganz konkret, z.B. indem man will, dass ein Gedanke aus dem Kopf geht, aber er geht eben nicht einfach aus dem Kopf. 😉

Man denkt sich z.B., dass das Auto, was da gerade mit der blöden lauten Musik lang gefahren ist, einen gefälligst nicht aufregt und man nicht genervt ist, nein, man ist nicht genervt, nein — aber je mehr man sich wehrt, desto genervter ist man. Die Buddhisten sagen hier, dass man das als Dämonen sehen kann, die einen beherrschen und wenn man sie vertreiben will, dann werden sie größer. Erst, wenn man ihnen liebevoll begegnet und sie anerkennt, dann schrumpfen sie und werden plötzlich unbedeutetend. Die Dämonen sind keine Geister, sondern quasi Teile der eigenen Seele.

Labeln

Es gibt dann eine Technik, die nennt sich Labeln oder Abstempeln. Man bemerkt einen Gedanken und sagt sich dann kurz: "Gedanke" oder "Auto" oder "bin genervt". Damit hat die Psyche ihr Recht bekommen und gibt Ruhe - meistens. 😉 Aber was dann? Eigentlich kann man ja gar nicht an nichts denken. Eigentlich will man ja vielleicht nicht denken, aber an "nichts" kann man nicht denken. Wenn man versucht nicht zu denken, dann geht das auch nicht oder zumindest sehr schwer. Es gibt nun bei der Meditation einen Trick: Man nimmt ein an sich völlig belangloses Meditationsobjekt her und konzentriert sich darauf. Schön ist natürlich etwas, wie der eigene Atem - er kostet nichts, man hat ihn immer dabei und wenn er mal weg ist, muss man sich auch keine Gedanken mehr drüber machen. 😵

Das Meditationsobjekt bewirkt eine Konzentration des Geistes. Man denkt zwar nicht an nichts, aber man denkt nur noch an ein Ding - nämlich dieses Objekt. Dabei muss man sich auch nichts her-denken, einen Kristallball vorstellen oder seine Chakren spüren, nein, es geht darum, den Geist auf ein Objekt zu richten und genau nur noch dieses mit seinen Gedanken festzuhalten. Dies wird Einspitzigkeit des Geistes genannt und witzigerweise ist dies für den Kopf trotz der dauernden Konzentration wesentlich entspannender, als umherschweifende Gedanken (morgen.... Auto... Ehemann....).

Natürlich kommt man ruck-zuck vom Meditationsobjekt ab, aber man kehrt einfach wieder dahin zurück. Das ist so und man muss das vorher wissen, dass es immer und immer wieder sein wird. Und man darf sich hier nicht böse sein — es ist die Natur des Geistes, dass er immer wieder abweicht, man kann gar nicht anders. Deswegen sagen die Zen-Buddhisten auch: "Zen Geist ist Anfängergeist". Es geht nicht darum etwas zu erreichen, es geht darum aushalten zu können, eine kleine Zeit einmal nichts erreichen zu wollen. Und Meditation ist genau dies, es ist Demut, es ist Hingabe, es ist "Nicht-Wollen", es ist stete Übung.

Wenn man "nicht will", denkt man auch nicht mehr - weil man ja auch nicht mehr denken will. Wenn man nicht mehr denkt, gibt es nur noch das Jetzt, denn Vergangenheit und Zukunft sind Konstruktionen des Geistes. Die Vergangenheit sind Freude und Leid, die Zukunft sind Hoffnungen und Ängste. Das Jetzt ist einfach nur Jetzt, es ist das unmittelbare Erleben, ohne es zu durchdenken. Man kann lernen, dies anzunehmen. Wenn man in der Meditation den Kopf abschaltet, jedenfalls was diese Gedanken angeht, dann bleibt einem das Hier-und-Jetzt — und man bekommt u.U. einen anderen Zugang dazu.

Versenkungsstufen

Es gibt, wenn man öfter übt, verschiedene Versenkungsstufen. Im Buddhismus nennen sich diese Janas (acht, die neunte ist wohl die totale Erleuchtung), die christlichen Mystiker sprechen von sieben, vielleicht haben sie eine übersehen? 😉 Die Beschreibungen und Schilderungen stimmen derartig überein, nur eben im jeweiligen kulturellen Kontext geschildert, dass es klar ist, dass hier etwas Grundlegendes vorliegt, was bei allen Menschen gleich ist und was damit auch jedem Menschen offen steht, prinzipiell zumindest. Es können hier Dinge zu spüren sein, wie ein unglaubliches Wohlgefühl, ein inneres Licht, was einen völlig durchflutet, ein Spüren einer intensivsten Liebe, wie ein warmer Sonnenstrahl auf der Haut etc.... erste Stufe, es gibt acht! Ich will dies nicht zu weit ausführen, weil es Dir zu fremd sein wird, wenn Du hier noch keinerlei Erfahrung gemacht hast. Es spielt am Anfang sowieso keine Rolle. Es ist eher eine Gefahr, weil man es ja "wollen" könnte — und dann kommt es ganz bestimmt nicht. Fies, oder? Die Tür geht halt nur von innen auf.

Der Weg der Mystiker

Hierfür ist alles eben Gesagte der Anfang. Nichtwollen ist Demut, wir öffnen uns und wir kontrollieren nichts. Andersherum, Du kannst noch so wollen und an der Tür rütteln und schütteln und wüten und gegentreten oder sanft drauf einreden, sie wird sich nicht öffnen. Nur die totale Hingabe, die unpersönliche Liebe, die Demut - dies alles ist der Grundstein dafür, dass diese Tür von der anderen Seite vielleicht aufgehen kann. Aber man kann es nicht zwingen. Dies ist der Weg der Mystiker und Mystikerinnen - Teresa von Avila, Meister Eckhart, Simone Weil, Jiddu Krishnamurti, Johannes vom Kreuz, ....

Dies gibt es in jeder Kultur und eines ist allen gemeinsam: Die Liebe und die Hingabe. Es ist je nach Kultur, das Spüren Gottes, die Gottesbegegnung, das in-Gott-Sein, das Eins-Sein-mit-Gott, die Erlösung aus dem Kreislauf der Wiedergeburten, weil man, wenn man "es" geschaut hat, über dem Tod steht — es ist eine wesentliche und unwiederrufliche Veränderung der Seele. Es ist ein derartig massives, eindringliches und liebendes Gefühl und die Erkenntnis, dass man eins mit diesem ist, dass sich das Leben für immer verändert und jegliche Angst (und jegliche Schuld) weicht. Wenn man diesen Punkt erreicht, hat man als Basis dafür vorher wohl schon so geliebt und ist so rein in Gedanken, Worten und Werken, dass alles was man tut keine Schuld mehr bringt, kein Karma, wie die Buddhisten sagen. Man ist nicht mehr in der Lage schuldhaft zu handeln. Es ist eine totale Transformation. Naja, ich üb ja noch. 😉

Und nun?

Das war jetzt fetter Tobak! Naja, Du musst ja nicht gleich Mystiker werden — die meisten wollen es ja gar nicht und andere werden es nicht. Vor allem nicht die, die es wollen. Und über andere, wie Eckhart Tolle, Jiddu Krishnamurti, U.G. Krishnamurti kommt es, ohne, dass sie es wollten. Teilweise mit heftigem Einschlag in ihr Leben, allesverändernd.

Ich schrieb oben, dass ich zu den Auswirkungen der Meditation noch etwas sagen wollte: Die Meditation verändert Dich. Es gibt ganze Abhandlungen darüber, wie wohltuend, hilfreich, das-Leben-wertvoller-machend, segensreich etc.... die Meditation ist.

Der Weg zu eigener Tiefe

Es ist der Weg, wenn nicht der einzige Weg, zu eigener Tiefe, zu Ehrlichkeit sich selbst gegenüber, es ist der Weg, die Psyche, die einen immer austrickst, etwas hintanzustellen und das eigentliche Leben zwischen all den Ängsten, Hoffnungen etc. wieder zu spüren oder überhaupt einmal erst zu spüren. Es ist auch ein verändertes Bild von einem selbst. Mit etwas Übung siehst Du, wie Du tickst, was Du wann denkst. Du kannst Dich unvoreingenommener beurteilen und intuitiv spüren, was ist. Ja, und die Ehrlichkeit bedeutet auch, dass Du Dich im (r)echten Licht siehst, und das kann schmerzhaft sein. Es ist der Abschied von wohlgehüteten Leidenschaften und Masken, die man sich aufgesetzt hat — unter Umständen. Vor sich selber. Das passiert nicht schlagartig, es ist eine Entwicklung, ganz langsam. Man wird authentischer, schon nach kurzer Zeit ändert sich etwas und man kann nicht einmal sagen, was es ist, so genau. Es ist, wie ehrlicher zu sich selber zu werden.

Tja, jetzt habe ich eine ganze Menge geschrieben. Ich denke das Wesentliche ist, ob Du Dich selbst kennen lernen willst oder ob Du es nicht willst. Wenn Du es nicht wissen wolltest, dann kann es sein, dass dies einen Grund hat. Aber keine Angst, Deine Psyche wird sich dann schon was für Dich ausdenken, warum Meditation nicht das richtige für Dich ist. Die Psyche geht immer nur so weit, wie sie kann, das ist das Gute daran. Wenn äußere Dinge im Leben passieren, die die Psyche nicht verkraftet, dann spricht man vom Trauma — und das merkt man dann immer und meistens in sehr unangenehmer und oft subtiler Form. Auch für psychisch schwer kranke Menschen kann Meditation nter Umständen gut sein, es ist aber keine Alternative zur Therapie, sondern eine Ergänzung, in diesem Kontext dann MBSR genannt.

Tut einfach gut

Ich selbst meditiere auch eher zu wenig - weniger, als ich mir vornehme. Immer wenn ich es tue spüre ich, dass es mir sehr wohl tut. Wenn ich es nicht mache, spüre ich, wie sich gerade in schwierigen Situationen eine Art Druck aufbaut, mit dem ich dann irgendwann Schwierigkeiten habe klar zu kommen. Meditiere ich, so habe ich etwas wie einen unzerstörbaren Kern in mir und nehme Dinge, die mich sonst stark berühren, eher äußerlicher war, ein wenig jedenfalls. Für mich persönlich ist die Meditation eine sehr gute Sache, die mich auch lehrt, was mir die Psyche alles so einredet. Alleine das ist schon witzig und interessant. Ich habe nicht vor etwas zu erreichen mit der Meditation, sie tut mir einfach spürbar gut.