Das beste Auto ist gar kein Auto

Auto kaputtAls ich meinen Artikel "Festnetz abschalten — noch heute!" schrieb, wurde mir vorgeworfen, dass es zu kurz gedacht sei: Es gäbe ja gar nicht überall eine gute Netzabdeckung für Handys und wer auf dem Land wohne, habe manchmal gar keinen Empfang. Da habe ich ganz schön eingeschenkt bekommen. Das Gleiche kann man mir sicher auch vorwerfen, wenn ich darüber schreibe, dass man auf das Auto verzichten könnte. Das will ich aber gar nicht, eigentlich.

Wieder geht es um mich, oder besser um uns. Ich habe momentan einen richtig guten Dienstwagen, aber ab Ende August gar keinen mehr, kein Dienst mehr, keinen Dienstwagen mehr.

Eigenes Auto = teures Auto

Ein Glück, dass ja meine Freundin noch ein Auto hat. Aber, da ging gerade die Klimaanlage kaputt. Die Vertragswerkstatt hat neues Kältemittel für 120 Euro eingefüllt und dann gemerkt, dass ein Kondensator kaputt ist, Kostenschätzung 600 €. Eigentlich sollte das nur kurz mit gemacht werden. Denn meine Freundin war eigentlich in der Vertragswerkstatt, weil ihr hinterer Fensterheber plötzlich nicht mehr funktionierte. Da ist ein kleines Plastikteil, was versprödet, austauschen lassen kann man aber nur die ganze Baugruppe: Kostenpunkt 600 Euro. Für eine elektrische Fensterkurbel!!!

Der Wagen meiner Freundin hat aber noch drei Fensterheber, die alle das gleiche Alter haben. Also alles zusammen irgendwann mal 3000 Euro für ein Fahrzeug, was mal gekauft wurde, damit man ein günstiges Familienauto hat?

Da komme ich langsam von einer ganz anderen Seite her ins Grübeln. Offenbar kann ich entweder einen Wagen kaufen, der von so guter Qualität ist, dass er auch entsprechend teuer ist oder ich zahle ständig drauf und ärgere mich ständig rum? Schade nur, dass ich nicht weiß, ab wann teuer teuer genug ist. Meine Freundin jedenfalls dachte, dass es teuer genug sei.

Ihr ahnt es, unser Verlangen, so viel Geld für Reparaturen oder einen neuen Wagen auszugeben, hält sich aktuell in Grenzen. Angesichts des Dieselskandals, dessen Auswirkungen bzw. Einschränkungen offenbar am Ende auch wieder am kleinen Mann hängen bleiben, stelle ich mir schon die Frage, was eigentlich die Alternativen sind.

Car-Sharing in Städten

Bei uns in Augsburg gibt es von der Stadt ein Car-Sharing-Angebot. Das sind von uns nur 500 Meter und ein Wagen kostet ca. 1,60 Euro pro Stunde + Kilometerpauschale. Wir haben ausgerechnet, dass wir bei etlichen Fahrten, zum Tango, Ausflüge, ..., im Monat immer noch unter 300 € an Kosten pro Monat bleiben. Natürlich mit der Option auch weniger oder gar nicht zu fahren. Kaufst Du Dir ein Auto, dann ist der Wertverlust immer da, selbst bei alternden Edelautos. Unter 300 Euro pro Monat kommt man kaum mit einem eigenen Auto.

Gerald Hörhan schreibt ja in seinem Buch Investment Punk, dass er niemals in einen Golf einsteigen würde, auch, weil sich ein wesentlich teureres, aber älteres Auto einfach besser rechnen würde. Aber die fixen Kosten habe ich auch. Verschleißteile, Sprit, Inspektionen, ... Und wer sagt denn, dass ich in 10 Jahren überhaupt noch so überall hin fahren darf, wie es heute ist, vor allem mit einem Diesel?

Unfreiwillig konsequent

Also warum nicht konsequent sein und ganz auf das eigene Auto verzichten? Kann ich da sagen: Aus der "Not" eine Tugend machen? Geht nicht für jeden, aber geht für uns! Im Zweifel Car-Sharing, im Zweifel Auto bei der Nachbarin leihen, im Zweifel Rad fahren und endlich wieder fit werden.

Ein Freund von mir in Augsburg, der selbstständig ist, hat es gemacht, ein anderer eben solcher in Bremen auch. Handy raus, App anwerfen, Auto buchen, am nächsten Tag zum Kunden fahren, fertig.

Klar, wenn ich bereit bin einfach massig Geld auszugeben, weil ich es habe, dann ist es auch kein Problem. Vielleicht fahren irgendwann nur noch die Wohlhabenden Autos und diese sind dann per se so teuer, dass es ein Luxus ist. Bei mir schwindet einfach die Bereitschaft ob all der Dinge, die gerade geschehen.

Arme Autoindustrie. Aber, was soll ich sagen, irgendwie haben sie es auch selbst verbockt... Vielleicht hat Precht doch Recht?

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